Hier findet Ihr Berichte zu unseren Turnierteilnahmen

GUBEN 2012 


Zum ersten Mal nahmen TuRa SchachspielerInnen am Neujahrsopen der brandenburgischen Kleinstadt Guben teil. Am 01.01.2012 starteten Inken Köhler (1261), Anna-Blume Giede (1090) und Eberhard Schabel (1745) von Hamburg aus Richtung Guben, um bis zum 06.01.2012 beim 15. Neujahrsopen aufzutrumpfen. Innerhalb des mit 126 Teilnehmern gut besuchten Turniers, spielten u. A. auch 6 GMs, 2 WGMs, einige IMs und FM/CMs aus 8 Nationen mit.
Unsere Turnierteilnahme verfolgte vor allem das Ziel, schachlich weiter aktiv zu bleiben und eventuell das eine oder andere Erfolgserlebnis mit zunehmen.
Das Open fand wie die Jahre zuvor, im Landhotel „Waldow“ (4 Sterne-Hotel) statt. Eine richtig gute Idee waren die Konditionen für Mädchen und Frauen. So wurde angeboten, dass eine Spielerin für Übernachtung + Frühstück lediglich nur 5 Euro (!!!) zu bezahlen hat. Der Erfolg dieses Angebotes war, das 20 Spielerinnen den Weg nach Guben fanden.

Unsere Anreise erfolgte fast Problemlos, eine kleinere Verspätung des ICE von HH nach Berlin hätte jedoch beinahe unsere Anschlüsse zerstört. Vom Bahnhof Guben wurden wir von einem Schachfreund des ausrichtenden Vereins SV Chemie Guben abgeholt und in das Hotel gebracht. Beim Bezug unserer Zimmer waren wir das erste Mal positiv überrascht. Groß, TV, Telefon, Internet und zudem mit guter Ausstattung boten sich die Räume uns dar.
Unser Besuch im Restaurant des Hotels überraschte uns dann zum zweiten Mal. Das Speisenangebot war regional und vielfältig und das zu Preisen ab 4 Euro für Hauptgerichte!
Angenehme Tage mit super Rahmenbedingungen kündigten sich so für uns Drei an.


02.01.2012
Nach dem Frühstücksbuffet vom Feinsten, ging es zur ersten Runde. Wir bekamen dabei durchweg bedeutend stärkere Gegner zugelost. Gespielt wurde in 3 Räumen des Hotels. Während unsere beiden Mädchen im größten Raum antraten, fand ich mich im Raum 2 (für „Fortgeschrittene“) wieder. Leider verloren Anna-Blume und Inken sehr schnell und entspannten sich auf ihrem Zimmer, während ich nach ca 5.5 Stunden ein Remis erobern konnte. Dieser Teilerfolg bescherte mir den Aufstieg in den „Masterraum“ und mit K. Schulz einen „FM“. Inken bekam ein polnisches Jungtalent zugelost und Anna-Blume einen 1400er.
Diesmal gelang Inken ein Erfolg für unsere kleine Gruppe und so fiel unsere Bilanz am Abend nicht ganz so negativ aus.
Somit leisteten wir uns ein leckeres Essen für "kleines Geld" und freuten uns auf die nächsten Tage.


03.01.2012
Es war wohl dem nicht ganz nachvollziehbaren Auslosungsmodus geschuldet, dass ich vom Raum 1 bis an ein hinteres Brett im Raum 3 ausgelost wurde und einen 7 Jährigem Talent aus Polen für ca 30 Minuten gegenüber saß und gewann. Die beiden Mädchen verloren und hofften auf eine günstigere Auslosung in Runde 4. Am Nachmittag gelangen dann auch 2 aus 2 und ich war inzwischen wieder im Raum 2 angekommen, spielte gegen den Setzlisten 20ten und verlor.
Die Zwischenbilanz war somit: Inken 2 aus 4, Eberhard 1,5 und Anna-Blume 1 Punkt. Ein schönes Teilergebnis was wir uns mit dem Besuch im Hoteleigenen Wellnesbad belohnten. Für ca 20 Minuten planschten wir 3 zusammen mit einem GM im Becken und die übrige Zeit fanden die Mädchen großen Spaß daran mich zu ärgern.


04.01.2012
Derbyzeit im Raum 3! Die nun besser nachvollziehbarere Auslosung führte Inken und mich in Runde 5 zusammen. In einer von beiden Seiten sehr verbissen geführten Partie konnte zuerst Inken etwas Oberwasser gewinnen. Verwicklungen im Mittelspiel führten jedoch dazu, dass ich mich immer mehr befreien konnte und meine Partiestellung zusehends verbesserte. Zu einem Zeitpunkt wo es mir gelungen wäre das Spiel zu entscheiden, erlaubte ich mir jedoch einen gravierenden Fehler der zum Glück nicht von Inken bestraft wurde. So konnte ich noch mal kräftig durchpusten und gewann nach ca 5 Stunden. Zeitgleich feierte auch Anna-Blume gegen einen 1600er aus Polen einen schönen Erfolg.
Während es für mich wieder in den Raum 2 ging blieben die Mädchen in dem größeren Raum 3. Beide bekamen erneut schwere Brocken vorgesetzt und Inken war ganz knapp vor einer kleinen Sensation gegen einen 1800er. In einer sehr offensiv geführten Partie brachte sie ihren Gegner enorm ins schwitzen und an den Rande einer Niederlage. Letztendlich lief ihr die Bedenkzeit weg und sie einigte sich auf Remis. Anna-Blume verlor gegen einen 1500er und ich bekam nach relativ wenigen Zügen ein Remisangebot, welches ich gerne annahm. Zum Abendbrot wurden die Mädchen zu einem Eis auf Kosten des Hauses eingeladen und natürlich kam dies bei Beiden sehr gut an.


05.01.2012
Trotz meiner 3 aus 6 stieg ich wieder in den Raum 3 ab, um mich mit dem Vorrundengegner von Anna-Blume zu duellieren. Es war dann eine sehr einseitige Partie, da mein Gegner als bekennender „Skandinavisch“- Experte wenig Ahnung von der Eröffnung hatte und schnell verlor….oder lag es an meinem Spiel?
Inken konnte ein gewonnenes Endspiel gegen einen 1700er auf das Brett bringen, übersah aber leider eine letzte kleine Gemeinheit ihres Gegners und spielte Unentschieden. Anna-Blume dagegen holte gegen einen 1600er gutes Remis so dass wir nach 7 Runden folgende Zwischenbilanz aufwiesen. Eberhard 4 aus 7, Inken 3,0 und Anna-Blume 2,5 Punkte.
Mit Brett 21 kam ich in der 8. Runde dem 1. Raum ganz nahe und musste mich mit einem 2000er aus Polen auseinandersetzen. Diese Partie begann ich sehr forsch und hatte auch im Mittelspiel ein sehr gutes Gefühl…alles stand auf dem Brett bereit zum großen Schlag und dann kam doch alles ganz anders. Kleine „Nadelstiche“ brachten mich vom Pfad des Sieges nicht nur ab, sondern stürzten mich in die Gruft der Niederlage. Die beiden Mädchen spielten wie gewohnt im Raum 3 in dem sich an 30 Brettern 60 SpielerInnen tummelten. Inken konnte dabei erneut ein Remis erobern und Anna-Blume verlor gegen einen älteren Schachfreund, da sie zu ungestüm angriff.
Nach dem vielen umher sitzen gönnten wir uns beim Bowling etwas Bewegung. Hier zeigte sich, dass wir Drei sehr sicher und zielgenau die linke und rechte Rinne trafen, was uns jedoch keine Punkte brachte….warum eigentlich nicht? Leider verletzte sich Inken selbst beim Schwungholen mit der Kugel, wobei sie vor dem loslassen des Wurfgerätes ihr Bein traf….wie das ging ist mir noch immer schleierhaft.


06.01.2012
Die letzte Runde und ein grandioser Erfolg von Anna-Blume, mit einer guten Remisidee (Dauerangriff auf die eingeklemmte Dame) zum Sieg, da ihr Gegner kein Remis wollte, die Dame opferte und im Anschluß einen Turm einstellte. Inken hatte nicht so die gute Position und übersah eine letzte kleine Schummelchance. Anstatt ein Remis zu erobern, griff sie sich einen unbedeutenden Randbauern und wurde von einem Freibauern und der Dame des Gegners (1800) bezwungen. Für mich war der Plan gegen ein aufstrebendes Jungtalent aus Polen mindestens ein Remis zu erzielen um die angestrebten 50% zu erreichen. Es begann auch alles nach Plan und in einer Situation wo ich mich so selbst richtig hätte loben können, begann mein junger Gegner (1700) plötzlich Türme für Leichtfiguren zu opfern, was mich aus meinen Zufriedenheitsträumen brutal erweckte. Am Ende blieben so 4 aus 9 für mich und je 3,5 aus 9 für die Mädchen. In Anbetracht unserer Gegnerschaft können wir jedoch dennoch sehr zufrieden sein und so freuten wir uns auf unser Mittagsmenü, auf die Siegerehrung und unserer Abreise.


Siegerehrung
Sie ist der Abschluß eines jeden Turniers und somit abschließender Höhepunkt des Neujahrs- Open. Verwundert betraten wir den Raum und stellten fest, dass auf der nett vorbereiteten Tischtafel keine Pokale oder Anderes auf eine Ehrung der Sieger hinweisendes zu sehen war.
Vielmehr sprach ein etwas in die Jahre gekommener Herr über Guben des Jahres 1920, über Hüte, Weinanbau und Fruchternten, wobei er sogar die genauen Tonnenzahlen aus dem Jahr 1920 wusste. Weiter berichtete er über die schönen Häuser und Straßen der Stadt, die wir leider nicht besuchen konnten, bei 2 Runden am Tag und einer Entfernung des Stadtkerns von ca 7 Kilometern. Irgendwann fiel ihm wohl nichts mehr ein und nach ca 1 Stunde begann Teil 2 der Siegerehrung, noch immer ohne Pokale, die wohl auf dem Weg wären. Somit bekamen u. A. auch wir einen Kalender und die Mädchen ein T-Shirt. Da dies sehr zügig voran ging und die Pokale noch immer nicht da waren, trat eine kleinere Pause ein, welche unterschiedlich genutzt wurde.
In diese allgemeine Unruhe hinein trat der Mann mit dem Karton! Ja, sie waren es... die Pokale! Nun konnte alles seinen geordneten Verlauf nehmen und so waren nicht nur wir darüber erstaunt, dass es immer noch stockte. Was ist nun? Oh, die ca 25 Urkunden wurden noch nicht ausgedruckt und beschrieben. Es begann nun ein fast einmaliges Prozedere. Ein netter Herr brachte aus dem hinteren Teil des Hotels 3 Urkunden und so konnten 3 Leute geehrt werden, dann eine etwas längere Pause und die nächsten 3 waren dran usw. Geschlagene 60 Minuten wurden so für die Ehrung von 25 Leuten verbraucht und wir hatten schon angst unseren Zug zu verpassen. Okay, die Schilderung ist sicher etwas nicht so schmeichelhaft für den Ausrichter und daher möchte ich hier ganz deutlich schreiben, dass wir bei einem SUPER TURNIER waren und so kleinere Pannen sind auch schon bei anderen Events vorgekommen.
Für uns jedenfalls steht fest, dass wir uns auch 2013 nach Guben aufmachen wollen, sofern die Deutsche Bahn dies zulässt, denn da war ja noch unsere Abreise aus Brandenburg…


Abreise:
Wie gewohnt hatte ich alles perfekt organisiert. An- und Abreise , Unterkunft und Überweisung der Kosten (Startgeld+Hotel). Was sollte also schief gehen? Nun es gibt Dinge die sind trotz (Fahr)Plan nicht planbar....so unsere Abreise.
Bereits in Guben begann unsere kleine Odyssee. Der Regionalexpress kam etwa 5 Minuten zu spät, was an sich ja nicht so schlimm ist, allerdings problematisch wird, wenn man beim nächsten Umsteigen nur 8 Minuten Zeit hat und durch die Verzögerung nur 3 Min übrig blieben. Das Zeitproblem erledigte sich jedoch bei der Fahrkartenkontrolle von allein. Eine nette und kompetente Angestellte der DB eröffnete uns, dass ab Eisenhüttenstadt Schienenersatzverkehr bis Frankfurt/Oder eingerichtet ist. Dies sei schon ganz lange so geplant und auf meinen Einwand, wieso mir dann die DB die Fahrkarte mit einer Route verkauft, die gar nicht funktionieren kann, meinte sie nur „Das weiß ich auch nicht, aber sie haben ja nur Sparpreis gebucht und da gibt es wohl keine Entschädigung." Ab Frankfurt könnten wir dann die Bahn nach Berlin nehmen und in Berlin würden wir dann eine Stunde später nach HH fahren können.
Also fuhren wir im dunklen mit dem Bus durch Brandenburg bis Frankfurt/Oder. Vielleicht war es eine Eingebung oder der berühmte 7. Sinn, auf jeden Fall gingen wir zum Reisezentrum um unsere Fahrkarten umschreiben zu lassen. Wir hatten Glück und trafen jemanden an, der uns jedoch jede aufkommende Freude nahm, in dem wir erfuhren, dass auch in die Richtung Berlin Schienenersatzverkehr ist…hatte sich die Schaffnerin geirrt, als sie sagte ab F./O ginge dann alles wieder normal? Oder hatte sie einfach keine Ahnung und war eine verkleidete Spreewaldgurkenverkäuferin? Nun wir werden dies nicht mehr herausfinden und so ging es wieder mit einem sehr voll besetzten Bus Richtung Berlin mit Umstieg in einem Dorf.
Ab Berlin klappte dann alles wieder wunderbar und mit etwas reichlich Gesamtverspätung kamen wir in Hamburg an…geschafft!

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